Der aktuelle Gottesdienst

Pfingsten

31. Mai 2020

Wochenspruch:

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ Sacharja 4, 6b

Psalm 118, 24 – 29

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Epistel

Apostelgeschichte 2, 1 – 21

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

Halleluja

Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde. Ps. 104, 30

Halleluja!

Evangelium

EVANGELIUM NACH JOHANNES
Kapitel 14, Verse 15 bis 27

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Predigt (Pfarrerin Sabine Beuter)

Liebe Schwestern und Brüder im Heiligen Geist,

 „Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“– Brecht
Heute an Pfingsten ist sogar das Singen am geringsten.  – Schon das kann gefährlich werden. (Verord. Bln)
Eigentlich wollte ich heute mal endlich nicht von diesem Wort, diesem…Virus sprechen, das uns in Atem hält.
Kollegen haben geraten, wenig davon zu reden, um wieder Normalität herzustellen.
Allein, es gelang mir bei der Vorbereitung nicht, von diesem… Virus abzusehen. Das ganze Setting dieses Gottesdienstes redet doch davon.
Doch trotz aller Lockerungen: Locker sind wir n nicht.
Dabei ist Pfingsten die Lockerungsübung schlechthin:
Der Geist Gottes lüftete die Jünger Jesu kräftig durch, entflammte und begeisterte sie, nachdem sie 50 Tage lang mühsam wieder glauben lernten, dass das Leben weitergeht… Das Ganze wirkte auf die Außenstehenden so locker, dass die nur vermuten konnten: Sie sind von Sinnen – voll süßens Weins.

Aber nicht der Wein, sondern Gottes Geist ist die Kraft, die wirklich locker macht.
Der Moment, wenn die verspannten Muskeln sich lösen. Wenn Leben zurückkehrt in das Erstarrte.
Wenn Menschen sich verständigen, obwohl sie eine andere Sprache oder eine andere Meinung haben.
Gottes Geist ist vor allem die Kraft, die uns überhaupt Gott erfahren lässt. Die Glauben, Vertrauen, Hoffnung, Freude, ja Leben möglich macht.
Gottes Geist heißt im hebr. Urtext „Atem“ .
Mit seinem Atem haucht Gott der Schöpfung Leben ein. Von und durch seinen Atem leben wir.

Atmen ist aber durch das Virus zum Problem geworden.
Vielen raubt es schlichtweg den Atem.
Letzte Woche las ich die Geschichte eines an Covid19 Erkrankten, die mich tief beindruckte. Der Journalist Ludger Verst, etwa in meinem Alter, erzählt, wie er ins Leben zurückgeatmet wurde.
Diese Geschichte verstehe ich als ein Pfingstereignis, das die Wirkung von Gottes Geist beschreibt:
Und weil diese Geschichte auch noch beeindruckend geschrieben ist – kein Wunder, der Mann ist selbst Journalist – lese ich sie in Originalauszügen:

Atmen gegen den Tod – atme für Ludger

„ Ich huste. Blutiger Husten.

Dass  mich  das Virus treffen könnte, das hatte ich ganz sicher ausgeschlossen. Und jetzt war es da.
Es hatte  mich  erwischt.

Ich habe  Glück: nicht-invasive Beatmung. Ein, zwei Tage später wäre eine Intubierung unumgänglich gewesen.

Jetzt also Beatmung — ohne Ende. Zehn, zwölf Stunden am Stück. Ich sträube mich gegen diese viel zu eng sitzende Gesichtsmaske mit den stramm gezogenen Gurten am Kopf. Sie spendet zwar Sauerstoff, nimmt mir aber die Luft beim Husten. Ich quäle mich von Stunde zu Stunde, und wenn ich nicht schlafen kann, schaue ich auf die große Uhr über der Tür: Wieder nur sind erst zehn Minuten vergangen.

Dieses Virus ist ein unsichtbarer,  unfassbarer Gegner. Ich erlebe, wie es meinen Körper sabotiert. Es frisst sich in die Lunge und verklebt ihr die Flügel. Tief einzuatmen gelingt mir nicht mehr. Immer öfter röhrender, blutiger Husten. Auch das Fieber steigt wieder. Und unter der Maske zerspringt mir schier der Schädel…
Ich drücke den Alarmknopf. Niemand kommt.
Warum dauert immer alles so lange?

Eines Morgens, halb im Schlaf, halb noch im Fieber, träume ich, dass mir der Atem stockt, dass er mir ausgeht, es nicht mehr weitergeht. Und keiner mich hört bei diesen letzten Atem-Versuchen. „Hörst du mich?“, sende ich meiner Frau mit letzter Kraft aufs Handy.

Ja, sie hat meinen stummen Schrei gehört.
Weil die Blutgaswerte schlecht bleiben und ich in meiner Niedergeschlagenheit zwar noch atmen, aber nicht mehr kämpfen will, organisiert meine Frau ein Bündnis für mich. Unsere Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn, alle, die sich in Anrufen, über SMS oder Whats-App nach meinem Zustand erkundigen, werden um ihr solidarisches Mitatmen gebeten:  —„Atmet für Ludger!“ — Aus einer symbolischen Aktion erwächst ein gemeinsamer Atem, ein Rhythmus, der mich aus einem tagelang drohenden Stillstand ins Leben zurückträgt, mir den Willen zum Selberatmen wiederschenkt.
Vielleicht ist dies die wichtigste, die nachhaltigste Erfahrung : Du bist, wenn es ums Ganze geht, nicht allein. Wenn dir die Luft ausgeht, wirst du von anderen ins Leben hineingeatmet, „in-spiriert“. Atmen und Inspiriert-Werden gehören zusammen.
Drei Tage später erhält meine Frau einen Anruf aus dem Krankenhaus; man könne ihr mitteilen, dass ihr Mann „aus der Lebensgefahrzone heraus“ sei.
Aufatmen und Erleichterung… für sie, für mich, so viele.
Atemzug um Atemzug erobere ich mein Leben zurück.
Mich erfüllt das Gefühl einer glücklich überstandenen Nachtmeerfahrt, aus deren tiefstem Dunkel ich als ein Anderer, als verändert  hervorgehe.
Mein erfolgreicher Kampf gegen das Coronavirus lässt mich auch drei Wochen nach der Entlassung aus der Klinik nicht heroisierend auf das Durchlittene schauen.
Die Bedrohung, die von dem Virus ausgeht, nimmt jeden Spielraum für eine Glorifizierung des Erlebten.

Selbst wenn es zur vollständigen Genesung noch Zeit braucht: Mein Leben fühlt sich schon jetzt frischer und intensiver an. Ich erlebe ein neues Gefühl für Körperliches und für Schönes und Gutes. Ich esse weniger und langsamer, aber deutlich qualitätvoller.
Wahrscheinlich werde ich nicht weniger arbeiten, meine Arbeit aber anders einteilen. Ich werde mir mehr Zeit nehmen für Menschen, die mir wichtig sind. Aus der Erfahrung, wie gefährdet und verletzlich, wie flüchtig und verletzlich unser Leben, mein Leben ist, erwächst auch eine neue Wachheit  für die Tiefe im Leben.“ –

Liebe Gemeinde,
Pfingsten in diesem Jahr ist keine Lockerungsübung. Auch kein Höhenflug mit der Heiligen Geist-Taube.
Pfingsten in diesem Jahr ist das Auftauchen
aus einer Nachtmeerfahrt, aus einem tiefenTauchgang.
Das Durchatmen nach einer langen Durststrecke.
Denn dieser Weg ist noch nicht zu Ende.
Wir werden die Gaben des Heiligen Geistes gut gebrauchen können in der nächsten Zeit.
Die da sind:
Kraft, Liebe, Besonnenheit,
Wahrheit, Weisheit, Geduld und die Unterscheidungskraft der Geister,
welche die Welt deuten.  –
Das sind nicht die geringsten Gaben des Heiligen Geistes zu Pfingsten.

Pfingst-Slam -Gebet zur  Coronazeit      über Joel  3,1 
(Pfarrerin Sabine Beuter nach einer Idee von Birgit Mattausch)  
31. Mai 2020

Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. – Joel 3,1

Sausen Brausen –
Lockerungsübungen ?
Was will das werden?

Es wird
Es wird werden
Eine neue Welt,
nicht nur eine neue Normalität?!
Nicht erst
nach dem Ende von diesem Diesem…
Nein auch schon vorher
heute
mittendrin

Sprich Du Gott Zebaoth:
Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch:
über eure  Körper  
Über  GrübelFalten,  Speckrollen,  rausgewachsene Haare
Über die erschlafften Muskeln und die verspannten auch
Und über alle, die so was nicht haben…
Über die Traurigen und Ängstlichen
die Müden und Erschöpften
die Übervorsichtigen und die Unvorsichtigen
über die Forschenden und die Entscheider
die Forschen und auch die Laschen

Sprich Du Gott, Zebaoth:
Ich will:  Meinen Geist ausgießen
und eure Söhne und Töchter sollen: weissagen!
– und weise werden und wieder zur Schule gehen und auf die Straße
eure Alten sollen: Träume haben! 
– und ihre Träume sollen wahr werden:
  wieder Besuch kriegen, nicht nur unter dem Fenster.
eure Jungen sollen: Gesichte sehen!  – nicht nur auf dem Bildschirm:
– Die echten Gesichter ihrer Freundinnen und Freunde,
   Ihrer Großeltern, die Gesichter ihrer Erzieherinnen und Lehrerinnen –

Sprich du Gott  Zebaoth:
Ja, ich will: Meinen Geist ausgießen
Nicht nur über Anne Will –
Über alle, die was in den  Medien machen 
Über die Leserbrief- und Kommentarschreiber, BloggerInnen
und über Verschwörungstheoretiker meinetwegen auch

Und Ich will meinen Geist ausgießen :
Über eure Knechte und Mägde:
eure Altenpfleger und Krankenschwestern,
eure Spargelstecher und Schlachthofarbeiter,
eure Verkäuferinnen und Paketboten.

Sprich Du Gott Zebaoth:
Ich will. Ja, ich will: Meinen Geist ausgießen.
Über euch alle
Und tu es auch,
heute und morgen und immer und ewig.
Amen